Container-Dörfer in Steglitz-Zehlendorf

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An zwei Standorten in Steglitz-Zehlendorf, Ostpreußendamm 108 und Osteweg 53, werden im nächsten Jahr provisorische „Container-Dörfer“ als Gemeinschaftsunterkünfte für 640 Flüchtlinge mit zugelassenem Asylverfahren, errichtet. Am Ostpreußendamm sollen 300 Plätze für schwer traumatisierte Flüchtlinge entstehen, was angesichts der massiven Traumatisierung vieler dieser Menschen bitter notwendig ist. Am zweiten Standort sollen 340 Menschen untergebracht werden.

Der Hauptgrund für die Aufstellung von Containern ist laut Sozialsenator Mario Czaja (CDU) die wachsende Zahl der Flüchtlinge, die eine sichere Unterbringung in den bevorstehenden Kältemonaten benötigen. In den kommenden Monaten rechnet die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales mit ca. 1.250 Asylanträgen. Insgesamt sind es dann im laufenden Jahr 2014 ca. 12 000. Für Berlin sind sechs Containerdörfer mit einem Investitionsvolumen von 42,7 Mio € geplant, die eine Genehmigung von zunächst zwei Jahren haben.

Die Wohncontainer sind mobile Bauten, die zwar allgemeinen Wohnungsstandards entsprechen, aufgrund der Verdichtung aber die Wiederaufnahme eines „normalen“ Lebens nach der Flucht erschweren und für das Zusammenleben in der direkten Nachbarschaft eine große Herausforderung darstellen. Bündnis 90/ Die Grünen fordern seit Jahren ein nachhaltiges Konzept mit ausgewogener Verteilung und Unterbringung der Flüchtlinge auch in Wohnungen und kleineren Gemeinschaftsunterkünften vom Senat. Doch der Senat hat auch dieses Problem verschlafen. Die hastige Aufstellung von Containern macht das Versagen des Senats deutlich.

Die Dauer und Ausbreitung der Konflikte weltweit sind mehr als ein Signal für die Notwendigkeit eines Umdenkens in der Flüchtlingspolitik, sowohl in der Frage der Unterbringung und vor allem in Bezug auf die außenpolitische Rolle Europas in einer globalisierten Welt. Befremdlich klang daher der scheidende Nato-Generalsekretär Rasmussen, der Europa und die transatlantische Allianz als „Insel“ bezeichnete und der ausgrenzenden Logik dieses Bildes folgend, von einem Meer von tosenden Kriegen und Flüchtlingswellen sprach.

Im Anbetracht der Not von so vielen Menschen und der geringen Unterkunftszahlen bei uns im Bezirk begrüßen wir Grüne ausdrücklich die Errichtung von weiteren Unterkünften. Die Aufstellung von Containern betrachten wir allerdings nur als vorübergehende Maßnahme, die keineswegs ein gesamtstädtisches und nachhaltiges Unterbringungskonzept ersetzen kann. In diesem Zusammenhang fordern wir erneut eine bessere Kommunikation zwischen Bezirksämtern und Senat, sowie eine frühzeitige Information und Dialog mit der Bevölkerung, um die Akzeptanz zu erhöhen und den Betroffenen eine bessere Integration zu ermöglichen.