Idylle Lichterfelde West?

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Mit dem Eisenbahnanschluss vor 140 Jahren ist Lichterfelde West entlang seiner geraden, für Villenbebauung vorgesehenen Straßen und den verschiedenen Schmuckplätzen entstanden, bis hin zum alten Dorfkern am Hindenburgdamm und zur Kadettenanstalt an der Finckensteinallee. Aus den ersten Jahrzehnten der Entwicklung sind nicht nur die vielen Bauten der Kaiserzeit geblieben, sondern auch das lebendige Ortsteilzentrum am Bahnhof und den benachbarten Straßen. Hier finden alle eine bunte Mischung aus großen und kleinen Läden, Arztpraxen und Dienstleistungen aller Art: Lichterfelde West ist damit trotz seiner Weitläufigkeit ein Stadtteil der kurzen Wege. Niemand muss weit gehen oder fahren, um sich zu versorgen, und auch abends sind die Bürgersteige hier nicht hochgeklappt.
Ist diese Mischung ein glücklicher Zufall? Das Ortszentrum von Lichterfelde West hat in den letzten Jahrzehnten durchaus einen gewissen Wandel erlebt, jedoch sind lange Ladenleerstände, Gebäudeabrisse und hässliche Neubauten bisher ausgeblieben. Bedrohungen, wie der vor einigen Jahren geplante Neubau eines großen Einkaufszentrums an der Curtiusstraße sind nicht Wirklichkeit geworden. Aber in der Umgebung entstehen weiter neue Wohnquartiere und Einkaufszentren: Der Autoverkehr nimmt damit auch in Lichterfelde-West weiter zu. Anders als in manch anderen großen und kleinen Berliner Zentren wurde in unserem Ortszentrum von öffentlicher Seite seit langem kaum investiert, die Straßenräume und das Bahnhofsumfeld sind praktisch noch genauso wie auf den historischen Fotos aus der Nachkriegszeit.
Wird diese Idylle so bleiben? Reicht der S – Bahnhof im jetzigen Zustand als „Frequenzbringer“ aus? Sind die Lichterfelder und vor allem die Gewerbetreibenden im Ortszentrum in der Lage, sich gegen ungünstige Entwicklungen zu wehren und selber Verbesserungen zu erreichen, die nötig sind? Was ist denn überhaupt nötig?
Nötig ist, schnell etwas für die Verkehrssicherheit zu tun. Für alte Menschen und Kinder sind die Straßen und Gehwegfurten im jetzigen oft zugeparkten Zustand eine echte Barriere: Besonders vor dem Bahnhof und an der Curtiusstraße, aber auch an der Drakestraße.
Unser Bahnhof mitten im Stadtquartier muss bequemer erreichbar sein: Lichterfelde-West hat aber kaum Fahrradabstellplätze, die Zugänge sind nur bedingt barrierefrei und das Umsteigen zwischen S-Bahn und Bus ist beschwerlich.  
Längerfristig sind bessere Verkehrslösungen und Stadtbildverbesserungen in den Straßen des Ortszentrums denkbar, die Lichterfelde-West noch attraktiver für Einheimische und Auswärtige machen.
Nicht alles muss sofort geschehen. Das lässt uns Zeit, die verschiedenen Probleme und Lösungsmöglichkeiten mit allen Interessierten zu diskutieren. Vielleicht ist es das wichtigste, damit nun bald anzufangen.