Naturschutz und Urbanität – Grüne Ideen für Berlins Südwesten

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Betonwüsten, dazwischen ein Stück Natur, sicher umzäunt, um den Menschen fernzuhalten – das bedeutete Naturschutz in den 80er Jahren. Dieses Bild hat sich glücklicher Weise geändert. Natürlich gibt es immer noch Flächen in denen Natur ohne den Menschen wachsen soll, aber der Mensch wird nicht mehr als Fremdkörper sondern als Mitgestalter gesehen.

Parks und Wälder, die sich durch eine veränderte Art der Pflege von artenarmen, hin zu biodiversen Grünflächen entwickeln und als Biotope durch ein großes Netz stadtweit miteinander verbunden werden müssen, brauchen unsere Initiative. Brachen sollten auch in Zeiten der Wohnungsknappheit auf ihren klimaregulierenden Wert geprüft und bei Bedarf geschützt werden, anstatt sie sofort zu bebauen, bloß weil sie jahrelang sich selbst überlassen waren und sich „unkontrolliert“, „verwildert“ und „unordentlich“ entwickelt haben. Sie dienen im Sommer mitunter als Kaltluftschneisen und dringend benötigte Kälteproduzenten in unseren überhitzten Innenstadtbereichen. Bei genauem Hinsehen findet sich sogar die ein oder andere seltene, vom Aussterben bedrohte Tier- oder Pflanzenart.

Mit Pflanzen bedeckte Hauswände und Hausdächer verhindern, dass Gebäude als Hitzespeicher zur Gefahrenquelle für unsere Gesundheit werden. Aber Pflanzenbewuchs ist in der modernen Architektur mittlerweile eine Seltenheit. Dem Zehlendorfer Rathaus wurde in blindem Aktionismus seine schützende Efeuhaut genommen. Jetzt steht es als grauer Schandfleck im Ortskern. Wir Grünen sind die Einzigen, die darauf achten wollen und werden, dass eine neue Wärmedämmung den neuesten ökologischen Richtlinien entspricht und so ausgeführt wird, dass ein neues Pflanzenkleid sowie der Vogelschutz nicht „vergessen“ werden. Die größte Hitzequelle unseres Bezirkes, der Platz des 4. Juli, sollte entsiegelt und das Umfeld nachhaltig gestaltet werden, um das Sommerklima für die neuen Bewohner der Mc Nair Siedlung erträglich zu machen.

In China ist es schon so weit, dass es in weiten Landstrichen kein Obst mehr gäbe, wenn nicht Menschen mit Pinseln in der Hand auf den Bäumen sitzen würden, um die Blüten der Obstbäume zu bestäuben. Durch den Einsatz von „Pflanzenschutzmitteln“ gibt es dort keine Insekten mehr, die die Blüten auf natürliche Weise bestäuben. Da lassen wir uns gern belächeln, wenn wir um das Überleben von Wildbienen oder Hummeln kämpfen, damit man weiterhin in einen saftigen Apfel beißen kann. Die Bevölkerung weiß, dass nur wir Grüne das politische Bewusstsein haben und den Willen mitbringen, den es braucht um wirkungsvollen Natur- und Umweltschutz in den Gesetzen und Verordnungen zu verankern und darauf zu achten, dass er umgesetzt wird.

Um zu sehen was in der Natur geschieht, braucht es ein Innehalten und ein entschleunigtes Stadtleben und dafür grüne Plätze und Ausruh-Oasen, gerade in Stadtkernen. Unter diesem Aspekt kommt der Umgestaltung des Gebietes um Zehlendorf Eiche oder der Neugestaltung des Breitenbachplatzes, nach dem Abriss der dortigen Autobahnbrücke, in den nächsten Jahren eine zentrale Bedeutung zu. Weg von der autogerechten Stadt, deren Infrastruktur nur dazu dient von Punkt A nach Punkt B zu kommen, wieder hin zur Erlebbarkeit der Stadt durch Langsamkeit. Indem wir Fahrradfahrern, Fußgängern und speziell älteren Menschen sowie Kindern wieder mehr Raum geben, gewinnen wir eine Lebensqualität zurück, die den Duft von Pflanzen, das Zwitschern von Vögeln oder das Spielen von Kindern auch im Berufsalltag wieder erlebbar machen. Im Auto mit geschlossenen Scheiben und im Bemühen sich von Gehupe und Abgasgestank abzuschirmen, ist diese Qualität noch nicht mal zu erahnen. Wir wollen Tempo 30, nicht, um Menschen den Spaß zu verderben oder der Wirtschaft zu schaden, sondern um der Natur und dadurch uns Raum zu geben. Auch unscheinbaren Gewässern in unserem Bezirk, wie zum Beispiel der „Lanke“ in Lankwitz, wollen wir wieder Raum geben und Dorfteiche, wie auf der Zehlendorfer Dorfaue, als Gestaltungsmöglichkeit neuer Stadtbilder in den Köpfen anregen.

Ob mit Urban Gardening, Baumscheiben- oder Grünanlagen Patenschaften, Steglitz-Zehlendorf wird nur mit Grün auch grün bleiben. Lassen Sie uns zusammen Grün gestalten.

Von Hajö Henning