Steglitz-Zehlendorfer Grüne für die Einrichtung eines Gedenkortes in Lichterfelde-Süd

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Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen begrüßt den in der Bezirksverordnetenversammlung am 20.2. eingebrachten Bürgerantrag für ein Lernen und Erinnern am authentischen Ort. „Wir sprechen uns für die Erhaltung eines authentischen Zeugnisses des ehemaligen Kriegsgefangenen-Lagers III D in Lichterfelde Süd aus“, betonte Michael Gaedicke, heute in der BVV-Steglitz-Zehlendorf. Der Bezirksverordnete, der für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit dem Diskurs zum Gedenkort befasst ist, hob die historische Relevanz dieses Ortes hervor: „Authentische Orte, seien es Mauer-Stücke an der Bernauer Straße; Gefängnismauern in Hohenschönhausen; Stelen, die an die Entführung von Peter Lorenz am Quermatenweg in Zehlendorf erinnern; oder eben das Kriegsgefangenenlager in Lichterfelde – solche authentischen Orte haben eine besondere Bedeutung. Sie sind die materielle Grundlage für unser Geschichtsverständnis, gerade in Zeiten, in denen unsere Verantwortung für unsere Geschichte geleugnet wird und Fake News weite Verbreitung finden. Die Erhaltung dieser Denkmale ist nicht immer einfach, vor allem wenn öffentliche Interessen gegeneinander abgewogen werden müssen und die wachsende Stadt zu ihrem Recht kommen will“.

Zum Hintergrund:

In dem Entwicklungsgebiet Lichterfelde Süd (B-Plan 6-30), in dem im Zuge der Bebauung rund 2.500 Wohnungen entstehen sollen, befand sich bis 1945 auf Teilen der Fläche das Kriegsgefangenenlager „Stalag III D“. Die zeitgeschichtliche Forschung und bauhistorische Untersuchungen auf dem ehemaligen Lagerkomplex dokumentieren die historische Bedeutung dieses Ortes für das System der Zwangsarbeit im NS-Staat.

Spätestens ab Mitte 1940 waren hier etwa 2.600 französische sowie Kriegsgefangene anderer Nationen interniert und brachen als Arbeitskommandos zu ihren Einsatzorten bei privaten Firmen, öffentlichen Einrichtungen -etwa zum Straßen- und Wasserstraßenbau- auf. Das Kriegsgefangenenlager III D war kein Vernichtungslager, menschliche Verluste aber waren aufgrund der harten Arbeit sicher nicht selten. Die Forschung, Dokumentation und archäologischen Untersuchungen auf dem Gelände dauern an. Das Landesdenkmalamt hat unterdessen die erhaltenen Baracken des Kriegsgefangenenlagers Stalag III D als Denkmale ausgewiesen.

Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf und die Eigentümerin des Entwicklungsgebietes haben vergangenes Jahr im Städtebaulichen Vertrag vereinbart, dass auf dem Gelände ein Lern- und Gedenkort entstehen soll. Gegenwärtig werden die Behörden und Träger öffentlicher Belange (TÖB) um Stellungnahmen gebeten. Nach deren Auswertung wird der Bebauungsplan weiter detailliert und die Öffentlichkeit erneut beteiligt.